Freitag, 22. März 2013

Dissertationsbeifang – Kuriosita aus den Recherchen zur Do-it-yourself-Bewegung in der Bundesrepublik I: Das Leiden der Frauen



Die Arbeit an meiner Dissertation zur Do-it-yourself-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 fördert zuweilen Quellenkuriosita zutage, von denen nicht sicher ist, ob sie am Ende auch Gegenstand der Ausführungen werden können. In ihrer ungewollten, zeitbedingten Komik verdienen sie es aber dennoch, präsentiert zu werden, wenn nicht in wissenschaftlicher, so doch vielleicht in impressionistisch-essayistischer Manier. Heute soll der Anfang gemacht werden.

Wir befinden uns im Jahr 1958; an einem Sommertag im Juni versammelt sich eine Schar prominenter WirtschaftswissenschaftlerInnen aus verschiedenen Ländern  – von Schweden bis Nigeria – in der beschaulichen Schweiz und unterhält sich über die zukünftigen Potentiale des Do-it-yourself-Gedankens. 

Insbesondere die anwesenden Frauen weisen auf die Gefahren dieses Phänomens hin:

Frau E. Heyman (GB): „Sie weist auch darauf hin, was eine Familie unter einem ‚Do-it-yourself‘-Enthusiasten zu leiden hat. Es bleibt in der Regel der Gattin überlassen, die Unordnung wieder aufzuräumen, die ihr Mann verursacht hat.“

Dagegen Frau E. Hirsch (USA), die zuvor schon ein Referat über die Do-it-yourself-Bewegung in den Vereinigten Staaten gehalten hat: „„Als Beispiel der ‚Do-it-yourself‘-Bewegung zitiert sie den Fall, wo die Ehefrau in der Bastler-Werkstatt nicht zugelassen wird und somit auch nicht aufzuräumen braucht.“

Frau Goes aus Dänemark wiederum pflichtet Frau Heyman zu: „Frau Groes stimmt mit Frau Heyman darin überein, dass die Gattin unter der ‚Do-it-yourself‘-Bewegung zu leiden hat.“

Nun wendet sich aber Herr Brüschweiler aus der neutralen Schweiz an die versammelten Damen und legt den Konflikt bei: „Verschiedene Damen haben sich in der Diskussion darüber beklagt, dass das ‚Do-it-yourself‘ lediglich dazu führe, dass die Frauen nachher die vom Mann hinterlassene Unordnung aufräumen müssen. Dazu kann er nur sagen: Meine Damen, Sie haben ihre [sic!] Männer schlecht erzogen.“

Was lernen wir daraus: Erziehung ist die Basis einer guten Beziehung!

Gefunden in:  G. Törnqvist (Tagespräsident), Diskussion zu: „Do-it-yourself“ in Gegenwart und Zukunft. 10.Juli 1958. TeilnehmerInnen: R. Brüschweiler (Schweiz), J. Hirsch (USA), G. Kroebel (Deutschland), J.Walter (USA), L. Williamson (Großbritannien). Leitung: J. Thygesen (Dänemark), in:  Donald Brinkmann (Hrsg.), „Do-it-yourself“ und der Handel, Rüschlikon 1958 (= Schriftenreihe der Stiftung „Im Grüene“ 10), S. 45-56.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen